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Presse

Heuchelheimerin Juliane Wolf startete mit der Behindertennationalmannschaft in China

Heuchelheimerin Juliane Wolf startete mit der Behindertennationalmannschaft in China
Artikel vom:
12.10.2014
Quelle:
Gießener Anzeiger
Bereich:
Tischtennis

Artikel Inhalt

Auch in China erfolgreich: die Heuchelheimerin Juliane Wolf.
Foto: Schepp

Von Dennis Bellof

GIESSEN - Mittel-Gründau, Eichenzell, und dazwischen Peking. Der frühherbstliche Spielplan der Tischtennis-Verbandsligaspielerin Juliane Wolf ist nicht ganz alltäglich gewesen. Als der Airbus A 380 kürzlich von Frankfurt in Richtung China abhob, befanden sich aber auch keine Heuchelheimer Mitspielerinnen, sondern die Teamkollegen von der Behindertennationalmannschaft mit an Bord.

Bei ihrer Geburt in Eisenhüttenstadt im Februar 1988 bekam Wolf zu wenig Sauerstoff. Deshalb lebt sie seitdem mit der Behinderung spastische Tetraparese. „Es ist weniger schlimm, als es klingt“, erklärt Wolf, „ich kann alles bewegen, laufen, Treppen steigen und Sport betreiben“. Klar humple sie etwas und habe motorische Defizite, aber: „Alles, was mit dem Ball zu tun hat, klappt ganz gut.“

Eine Untertreibung. Wolf hat regelmäßig Volleyball gespielt und kam über einen Klassenkameraden zum Tischtennis. Doch an Welt- oder Europameisterschaften war noch lange nicht zu denken. „Ich habe ausschließlich am regulären Spielbetrieb teilgenommen und erst 2009 mal grob nach Behindertensport gegoogelt“, so die 26-jährige Wahlfrankfurterin, „richtig Schwung in die Sache kam erst durch mein Auslandsjahr in Schweden“.

Dort kam sie zufällig mit dem Coach der schwedischen Behindertennationalmannschaft in Kontakt, der sie davon überzeugte, im entsprechenden Sportbereich mitzumischen. „Zurück in Deutschland habe ich dann nach passenden Vereinen gesucht, aber in Brandenburg keine gefunden“, berichtet Wolf, die schließlich in der Nähe von Karlsruhe fündig wurde, wo sie auch ihr Bachelor-Studium der Sprachförderung und Bewegungserziehung absolvierte. Im nahen Offenburg begann sie schließlich ihre Karriere im Behindertensport – und erwies sich als Senkrechtstarter.

Aufgrund der Vielfalt an Beeinträchtigungen gibt es unterschiedliche Klassifizierungen, die über den Grad der Behinderung des jeweiligen Sportlers Aufschluss geben. Juliane Wolfs Leistungsklasse ist innerhalb des Bereiches für stehende Behinderte (6-11) Nummer acht. Die Liste der Erfolge ist bereits nach wenigen Jahren lang und wahrlich beeindruckend. Unter anderem ist sie fünf Mal in Folge Deutsche Meisterin geworden und erhielt 2012 den Titel „Badische Behindertensportlerin des Jahres“. International stürmte sie in der Weltrangliste ihrer Klasse bis auf Rang vier vor. Und ging parallel im Ligabetrieb auf Oberliganiveau für den TV Busenbach auf Punktejagd.

Das Masterstudium führte sie schließlich nach Gießen. Nun spielt sie in Heuchelheim, obwohl sie in Frankfurt lebt und bis zu fünf Mal die Woche an der Platte und im Fitnessstudio trainiert. „Klar könnte ich mir einen näheren Verein suchen, aber wieso sollte ich wieder wechseln, wenn ich mich so wohl fühle?“, ist Wolf schwer angetan von ihren Vereinskollegen, die ihre Erfolge aufmerksam verfolgen und wertschätzen.

Bei der Europameisterschaft 2011 in Kroatien hat Wolf als damaliger Neuling mit der Silbermedaille schon einen großen Wurf gelandet. In Peking erlebte sie nun ihre erste Weltmeisterschaft – und räumte weiteres Edelmetall ab. Nach Bronze im Einzel lief es im Teamwettbewerb noch besser: Mit Partnerin Stephanie Grebe ergatterte sie nach Niederlage gegen das Gastgeberteam Silber.

Dabei trotzten beide zahlreichen ungünstigen Gegebenheiten: „Wir dachten, im Tischtennis-Land schlechthin wird alles top vorbereitet sein, aber dem war nicht so“, bedauert Wolf, „auch waren die einheimischen Spieler und Fans leider nur wenig emotional.“ Essen, Luftqualität, Hotelzimmer und Lage der Unterbringung blieben ebenfalls deutlich unter den Erwartungen zurück. Im Anschluss an das Turnier erkundete Wolf mit ihrem Freund aber noch für vier Tage die „wahnsinnig vielfältige“ Stadt und reiste versöhnt zurück nach Deutschland zurück, wo mit Salmünster oder Großkrotzenburg wieder ländlichere Spielorte warten.

Das nächste große Ziel hat Wolf jedoch bereits klar vor Augen. „Ich will 2016 unbedingt nach Rio zu den Paralympics!“ Mit einem Europameisterschaftssieg 2015 in Dänemark wäre die Quali sicher eingetütet. Geht Juliane Wolf weiter so konsequent ihren Weg, kann sie ihre Liege an der Copacabana schon bald reservieren lassen...

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